Ronja von Rönne – Alles Liebe

Roman

„Alles Liebe“ ist ein Episodenroman. Es sind die Geschichten von Laura, Barbara, Heike, Fedor und Mattis, die uns Ronja von Rönne präsentiert. Am Ende fügt sich manches zusammen. Ronja von Rönne hat mit „Wir kommen“, „Ende in Sicht“ und „Trotz“ sehr gute Bücher geschrieben, manchmal ein wenig kontrovers, aber selbst wenn man nicht allem zustimmen wollte, es sind sehr gute Bücher. Das ist bei „Alles Liebe“ nicht unbedingt so, was an den Geschichten liegt, die den Lesenden erzählt werden. So negativ, so tragisch, so traurig. Menschen, die sich ihre eigene Realität erstellen, die Märchen oder Lügen erzählen, die sich in ein besseres Leben träumen, was sie sich selbst sonst nicht verwirklichen können. Oder Künstlerinnen, die mit ihrer Welt abseits der Kunst nicht viel anfangen können. Doch was, wenn das Kartenhaus aus Lügen und Imagination in sich zusammenfällt?

Inhalt

Laura hat schon als Kind verstanden, wie Mitleid funktioniert. Barbara füllt ihr leeres Haus mit Versandhauskatalogen und einem Mann, den es nicht gibt. Heike sitzt seit dreißig Jahren in einem Haus, das ihrer Schwiegermutter gehört, und träumt von einem Garten, den sie nie haben wird. Christina verkleinert mit ihrer Kunst die Welt, weil sie sie sonst nicht aushält. Für sie alle geht das Leben weiter. Bei Laura sind es die Eltern, die die Märchen ihrer Tochter aufdecken, bei Barbara eine Freundin, Heike muss es erdulden, bei ihrer Schwiegermutter im Haus zu wohnen, was kein Geschenk ist; ihr Ehemann ist ihr dabei keine Hilfe. Selbst spät im Leben darf sie sich nicht frei entfalten. Fedor und Christina sind Künstler. Während Fedor immer größere Werke erstellt und damit leidlich Erfolg hat, macht Christina Miniaturen und ist dabei sehr erfolgreich. Doch die Beziehung zwischen den beiden funktioniert lange, oder irgendwann doch nicht mehr? Mattis ist Journalist, der miterleben muss, wie eine Kollegin aus eine Mücke einen medialen Elefanten macht. Dabei zerstört sie Leben, doch das ist ihr egal. Dabei hat sie selbst das ein oder andere Geheimnis.

Kritik

Ganz ehrlich, von den ersten Geschichten war ich ein wenig enttäuscht. Das ergibt sicherlich alles einen Sinn, der Roman hat eine Botschaft, aber die Leselust leidet lange Zeit und erst im letzten Kapitel wird es gut. Wer möchte in die tragischen Abgründe der Menschen schauen, sie sezieren und das unfertige im Menschen sehen, vielleicht sogar das Schizophrene?  Wie bei all ihren Werken regt aber auch das hier zum Nachdenken an, insofern ist es doch ein versöhnliches Ende mit dem Werk.

Ronja von Rönne, 1992 in Berlin geboren, lebt in Berlin und Grassau. Seit 2015 Redakteurin im Feuilleton der Welt. Mehr von der Autorin unter www.sudelheft.de . Mit „Wir kommen“ hat sie den literarischen Durchbruch geschafft. Es folgte „Ende in Sicht“, nach der gute Essay „Trotz“. Das neueste Werk „Alles Liebe“ hat 236 Seiten und ist im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) am 02. Juli 2026 erschienen ist.

Bewertung: 7,9/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 4/4